In einer Woche ist schon Weihnachten und immer noch scheint den ganzen Tag die Sonne. Einen Tag vor meinem Geburtstag haben wir noch einen Ausflug nach Tel Aviv gemacht und waren im Mittelmeer schwimmen. Und heute ist es noch mal so warm geworden, dass wir eine Fahrradtour am See entlang gemacht haben und dabei richtig ins Schwitzen gekommen sind. Schnee sieht man hier nur im Fernsehen.
Da fällt es einem natürlich schwer, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Dagegen muss man natürlich etwas tun. Deswegen sind wir fleißig am Plätzchen backen und Weihnachtslieder hören.
Morgen gehen wir Weihnachtsbäume holen und Tony zieht immer seine Wollmütze an, auch wenn es dafür eigentlich viel zu warm ist.
Die letzte Gruppe auf der Begegnungsstätte für dieses Jahr ist gestern abgereist und die Begegnungsstätte bleibt jetzt erstmal geschlossen. Ich freu mich deshalb auf eine etwas ruhigere Zeit.
Der Tony hat übrigens angefangen, einen offiziellen Blog über die Begegnungsstätte zu schreiben.
http://www.dormitio.net/aktuelles/blog/blog.noah/index.html
Da erfährt man etwas über die verschiedenen Gruppen, die hier so kommen.
Viele Grüße,
Johannes
Ich mache im Moment ein Freiwilliges Soziales Jahr in Israel direkt am See Genezareth (Genau, der See, über den Jesus ging). Um mein Mitteilungsbedürfnis zu stillen, habe ich diesen Blog erstellt. Leitet diese Seite ruhig an Leute weiter, die es interessieren könnte.
Sonntag, 19. Dezember 2010
Dienstag, 30. November 2010
Important lesson: Never try to go to Masada on a saturday
Am Wochenende wollten Tony und ich einen Ausflug ans Tote Meer machen, um uns Masada anzuschauen, ein bisschen im Wasser Zeitung zu lesen und vielleicht noch ein bisschen durch die Ein Gedi Oase zu schlendern. Dann haben wir aber keine gescheiten Jugendherbergen direkt am Meer gefunden und haben deshalb beschlossen, in Jerusalem zu übernachten und dann nur am Samstag einen Tagesausflug ans Tote Meer zu machen.
Dass am Shabbat in Israel keine Busse fahren war uns zwar irgendwie bewusst, aber zumindest arabische Scheruts (Sammeltaxis) fahren auch am Samstag überall hin, sollte man meinen. Wir sind also Samstags Morgens zum Scherutbahnhof gegangen, haben dort jemanden gefragt, der hat gesagt wir müssen zu ner anderen Station, von da aus nach Bethany fahren und von da aus würden wir nach Masada kommen. Dann sind wir also zur anderen Station gelaufen, mit dem Scherut nach Bethany gefahren und ausgestiegen. Da haben uns dann aber die Scherutfahrer gesagt, dass sie nicht nach Masada fahren, weil das zu weit ist. Aber zu einer Bushaltestelle in der Nähe von Jericho könnten sie uns bringen und von da fahren dann Busse weiter. Da haben wir uns gedacht, das klingt ja ganz vernünftig. Dann wurden wir bei der Bushaltestelle mitten in der Wüste rausgelassen. Und dann ist uns wieder eingefallen, dass Shabbat ist und keine Busse fahren.
Zum Glück war eine Tankstelle in der Nähe, an der einige Touri-Busse standen. Bei denen haben wir mal höflich nachgefragt, ob sie wohl ans Tote Meer fahren und zwei Plätze für uns frei hätten. Das Fragen war aber leider weniger erfolgreich, es waren alle auf dem Rückweg, hatten keine Plätze frei oder hatten keinen Bock auf uns. Besonders nett war ein Ami. Der sagte uns, er fahre nach Masada, habe aber keinen Platz für uns frei und dann fuhr er weg und saß alleine im Auto.
Dermaßen enttäuscht haben wir es mit herkömmlichen Trampen versucht und das erste Auto, das anhielt war ein Polizei-Auto. Ich hab mir gedacht, „Hey, was für nette Polizisten, die wollen uns bestimmt mitnehmen“ und Tony hat Angst gekriegt, weil er dachte, dass Trampen vielleicht wie in den USA illegal ist. Nichts von beidem war der Fall. Der Polizist fragte, nachdem wir die Frage, ob wir jüdisch seien verneinten und ein paar andere Fragen beantworteten: „Do you have any illegal things in your bags?“ Nachdem wir das bestritten sagte er mit hochgezogener Augenbraue und einem verschwörerischen Tonfall: „By 'illegal things', I mean drugs“. Achssoooooo, jetzt erst hatte ich verstanden, was er meinte. Nachdem uns die Polizisten abgetastet und unsere Rucksäcke kontrolliert hatten, fragte Tony, ob sie uns wohl nach Masada fahren könnten, worauf wir allerdings keine Antwort erhielten.
Danach entschieden wir uns, ersteinmal ein Stück zu laufen. Nach einiger Zeit hielt ein Auto mit einem älteren israelischen Ehepaar an, die uns mitnahmen. Sie sind sogar extra für uns nach Masada gefahren, obwohl das viel weiter war, als sie eigentlich fahren wollten.
Dann waren wir in Masada, eine wirklich beeindruckende Festung, von der man einen herrlichen Blick aufs Meer hat. Als wir damit fertig waren, ist uns eingefallen, dass immernoch Shabbat war und wir noch zurück nach Jerusalem mussten.
Wieder versuchten wir es mit Trampen und fragten alle Leute, die auf den Parkplatz kamen, ob wie uns mitnehmen könnten. Ein Ami sagte: „Ich fahre zwar nicht nach Jerusalem, aber das hilft euch vielleicht, dorthin zu kommen.“ und drückte uns 100 Schekel in die Hand. Wir müssen wohl sehr hilfsbedürftig ausgesehen haben.
Als der Parkplatz immer leerer wurde, machten wir uns so langsam Sorgen und gaben unseren Plan, im Toten Meer zu baden für den Tag auf. Hauptsache zurück nach Jerusalem. Dann hat uns zum Glück ein netter Brasilianer mitgenommen, der über Jerusalem nach Tel Aviv fuhr. Zuerst hat er gesagt, er könne uns überall in Jerusalem rauslassen, das wäre kein Problem für ihn. Dann hat er es sich aber wohl doch anders überlegt und uns mitten auf dem Highway rausgelassen. Nach anderthalb Stunden Laufen und Verlaufen waren wir zurück in unserem Quartier und haben erkannt, dass wir uns nächstes Mal wohl einen anderen Wochentag aussuchen würden.
An dem Abend war ich vor 9 im Bett und hab 12 Stunden gepennt. :)
Freitag, 12. November 2010
Viel Besuch
In letzter Zeit hatte ich viel Besuch aus Heidelberg. Zuerst war der Lennart für zehn Tage da. Das war ziemlich cool, auch weil wir Jojo und Noomi in Haifa besucht haben (die beiden sind auch als Volontäre in Israel und warn wie Lennart bei mir in der Stufe). Da haben wir ein Stufentreffen gemacht und hatten viel Spaß. Dabei habe ich gemerkt, wie weit weg mir die Schulzeit schon vorkommt, obwohl das ja eigtl. noch
nicht wirklich lange her ist.
An dem Tag, als Lennart wieder nach Hause geflogen ist, sind dann auch schon die nächsten Besucher angekommen, nämlich meine Eltern und Geschwister. Auch die Zeit war sehr schön (auch weil ich nicht arbeiten musste, aber nicht nur deswegen :) ) und meine Familie ist jetzt auch bei den anderen Volontären sehr beliebt, weil sie zum Grillabend eingeladen haben.
In der Zeit haben wir auch viele Ausflüge gemacht und so auch ordentlich was vom Land gesehen. Ich war in Jerusalem, Akko, Haifa, in Massada am Toten Meer usw..
Besonders das Tote Meer war sau cool, weil man da wirklich nicht untergeht. :D
Als meine Familie dann wieder weg war, musste ich mich so langsam wieder ans Arbeiten gewöhnen. Aber was will man machen. Ein großer Unterschied zwischen der Schulzeit und der Arbeit hier (und jeder Arbeit generell) ist, dass man viel weniger Urlaub hat. Jetzt muss ich mit 24 Urlaubstagen im Jahr auskommen und in der Schulzeit hatte ich fast genauso viele Wochen frei. Ok, nicht ganz, aber ihr wisst was ich mein.
Dieses Wochenende ist hier in Tabgha das sog. Brotvermehrungsfest. Das ist das größte Fest des Jahres für diesen Ort und es werden ziemlich viel Leute erwartet. Ich freue mich jetzt schon auf's Aufräumen danach.
Und jetzt noch ein Bild, um euch neidisch zu machen:
Viele Grüße,
Jojo
PS: Ich hab mir vorgenommen in nächster Zeit mal wieder regelmäßiger in meinen Blog zu schreiben. Ob das klappt, ist eine andere Frage.
nicht wirklich lange her ist.
| Da war ich gerade mit Lennart in Akko... |
| ...in einem Kreuzfahrertunnel. |
An dem Tag, als Lennart wieder nach Hause geflogen ist, sind dann auch schon die nächsten Besucher angekommen, nämlich meine Eltern und Geschwister. Auch die Zeit war sehr schön (auch weil ich nicht arbeiten musste, aber nicht nur deswegen :) ) und meine Familie ist jetzt auch bei den anderen Volontären sehr beliebt, weil sie zum Grillabend eingeladen haben.
In der Zeit haben wir auch viele Ausflüge gemacht und so auch ordentlich was vom Land gesehen. Ich war in Jerusalem, Akko, Haifa, in Massada am Toten Meer usw..
Besonders das Tote Meer war sau cool, weil man da wirklich nicht untergeht. :D
| Mit meinen Geschwistern im Toten Meer |
Dieses Wochenende ist hier in Tabgha das sog. Brotvermehrungsfest. Das ist das größte Fest des Jahres für diesen Ort und es werden ziemlich viel Leute erwartet. Ich freue mich jetzt schon auf's Aufräumen danach.
Und jetzt noch ein Bild, um euch neidisch zu machen:
| Dieser Anblick bietet sich mir, wenn ich morgens Joggen gehe. |
Jojo
PS: Ich hab mir vorgenommen in nächster Zeit mal wieder regelmäßiger in meinen Blog zu schreiben. Ob das klappt, ist eine andere Frage.
Mittwoch, 6. Oktober 2010
Eintrag Nr. 8
In letzter Zeit hatte ich leider nicht so viel Zeit, was zu schreiben, aber jetzt kommt endlich mal wieder was neues. Da freut ihr euch, was?
Vorletztes Wochenende war ich zum ersten mal in der Westbank (oder Weschdbänk im badischen Dialekt), was sehr interessant war. Wir waren abends in Jerusalem weg, um dann abends noch in die Westbank nach Beit Jala (neben Bethlehem) zu fahren, wo wir in der WG von anderen Volontären übernachtet haben. Unser Taxifahrer war ein Araber, der uns erstmal gefragt hat wo wir herkommen. Als wir gesagt haben, aus Deuschland, kam natürlich erstmal die Standardantwort: "Ahhh, Germany, like Hitler!" Als dann betretenes Schweigen herrschte, sagte unser Taxifahrer, um die Stimmung ein wenig zu lockern: "That's no problem. I'm muslim, no jew. Hitler is my friend." Eine entspannte Atmosphäre wollte sich trotzdem seltsamerweise nicht einstellen.
Als wir dann nachts mit dem Taxi über den Checkpoint gefahren sind, war das schon ein komisches Gefühl. Man kann fast nichts sehen, dann leuchten einem Soldaten mit Taschenlampen ins Gesicht und dann fährt man durch die mit Stacheldraht gesicherte Mauer. Dann war's schon recht spät und wir sind pennen gegangen.
Am nächsten Tag haben wir uns dann Bethlehem angeschaut. Da war es sehr praktisch, dass eine Ex-Volontärin, die sehr gut arabisch konnte, mitgekommen ist. Viele Palästinenser können anscheinend kein Englisch und auf jeden Fall sind sie immer gleich viel freundlicher, wenn jemand in der Gruppe ist, der Arabisch kann. Und sie konnte uns zu einer sehr guten Shisha-Bar führen, wo ich die beste Shisha meines Lebens (bis jetzt) geraucht hab.
Später sind wir dann noch ein bisschen an der Mauer vorbeigelaufen, die Israel von der Westbank trennt. Das hat mir dabei geholfen, ein bisschen mehr auf den Konflikt und die Ungerechtigkeiten, die in diesem Land herrschen, aufmerksam zu werden. In Tabgha ist man nämlich so behütet und isoliert, dass man davon nicht soviel mitkriegt. Nach einer Weile sind wir in die Nähe von einem Checkpoint gekommen, von wo uns schon von weitem ein Soldat zurief, dass keine Fußgänger durchgelassen werden und wir umdrehen sollen.
Auf dem Rückweg von Beit Jala nach Jerusalem hatten wir einen coolen Taxifahrer. Mit dem sind wir über einen Checkpoint gefahren, der eigentlich für Ausländer gesperrt ist. Aber der Taxifahrer kannte die Soldaten da und die haben uns deshalb einfach durchgewunken.
Das Wochenende danach, also letztes Wochenende war ich am Sonntag aufm Hosen-Konzert und das war einfach nur geil. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Nur dass ich am Tag danach arbeiten musste, war nicht so gut. Ich war so müde, dass ich mit dem Traktor gegen einen Baum gefahren bin. Aber keine Sorge, ich bin sehr langsam gefahren und nichts ist passiert.
Morgen abend werden wir Volontäre eine Disko-Party für die Gruppen organisieren, die gerade auf der Begegnungsstätte sind. Dabei handelt es sich um zwei Behinderten-Gruppen, eine jüdische aus Israel und eine muslimische aus der Westbank. Die beiden Gruppen kennen sich schon seit längerem und deswegen denke ich nicht, dass es Probleme geben wird. Ich hoffe meine Musikauswahl kommt gut an und alle gehen zum Ding-Dong-Song und zu den Atzen ab. Den morgigen Tag werden wir damit verbringen, 1000 Ballons aufzublasen, um damit den Party-Raum zu befüllen. Ich hoffe ich werde dabei nicht ohnmächtig.
Viele Grüße,
Jojo
Vorletztes Wochenende war ich zum ersten mal in der Westbank (oder Weschdbänk im badischen Dialekt), was sehr interessant war. Wir waren abends in Jerusalem weg, um dann abends noch in die Westbank nach Beit Jala (neben Bethlehem) zu fahren, wo wir in der WG von anderen Volontären übernachtet haben. Unser Taxifahrer war ein Araber, der uns erstmal gefragt hat wo wir herkommen. Als wir gesagt haben, aus Deuschland, kam natürlich erstmal die Standardantwort: "Ahhh, Germany, like Hitler!" Als dann betretenes Schweigen herrschte, sagte unser Taxifahrer, um die Stimmung ein wenig zu lockern: "That's no problem. I'm muslim, no jew. Hitler is my friend." Eine entspannte Atmosphäre wollte sich trotzdem seltsamerweise nicht einstellen.
Als wir dann nachts mit dem Taxi über den Checkpoint gefahren sind, war das schon ein komisches Gefühl. Man kann fast nichts sehen, dann leuchten einem Soldaten mit Taschenlampen ins Gesicht und dann fährt man durch die mit Stacheldraht gesicherte Mauer. Dann war's schon recht spät und wir sind pennen gegangen.
Am nächsten Tag haben wir uns dann Bethlehem angeschaut. Da war es sehr praktisch, dass eine Ex-Volontärin, die sehr gut arabisch konnte, mitgekommen ist. Viele Palästinenser können anscheinend kein Englisch und auf jeden Fall sind sie immer gleich viel freundlicher, wenn jemand in der Gruppe ist, der Arabisch kann. Und sie konnte uns zu einer sehr guten Shisha-Bar führen, wo ich die beste Shisha meines Lebens (bis jetzt) geraucht hab.
Später sind wir dann noch ein bisschen an der Mauer vorbeigelaufen, die Israel von der Westbank trennt. Das hat mir dabei geholfen, ein bisschen mehr auf den Konflikt und die Ungerechtigkeiten, die in diesem Land herrschen, aufmerksam zu werden. In Tabgha ist man nämlich so behütet und isoliert, dass man davon nicht soviel mitkriegt. Nach einer Weile sind wir in die Nähe von einem Checkpoint gekommen, von wo uns schon von weitem ein Soldat zurief, dass keine Fußgänger durchgelassen werden und wir umdrehen sollen.
Auf dem Rückweg von Beit Jala nach Jerusalem hatten wir einen coolen Taxifahrer. Mit dem sind wir über einen Checkpoint gefahren, der eigentlich für Ausländer gesperrt ist. Aber der Taxifahrer kannte die Soldaten da und die haben uns deshalb einfach durchgewunken.
Das Wochenende danach, also letztes Wochenende war ich am Sonntag aufm Hosen-Konzert und das war einfach nur geil. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Nur dass ich am Tag danach arbeiten musste, war nicht so gut. Ich war so müde, dass ich mit dem Traktor gegen einen Baum gefahren bin. Aber keine Sorge, ich bin sehr langsam gefahren und nichts ist passiert.
Morgen abend werden wir Volontäre eine Disko-Party für die Gruppen organisieren, die gerade auf der Begegnungsstätte sind. Dabei handelt es sich um zwei Behinderten-Gruppen, eine jüdische aus Israel und eine muslimische aus der Westbank. Die beiden Gruppen kennen sich schon seit längerem und deswegen denke ich nicht, dass es Probleme geben wird. Ich hoffe meine Musikauswahl kommt gut an und alle gehen zum Ding-Dong-Song und zu den Atzen ab. Den morgigen Tag werden wir damit verbringen, 1000 Ballons aufzublasen, um damit den Party-Raum zu befüllen. Ich hoffe ich werde dabei nicht ohnmächtig.
Viele Grüße,
Jojo
Dienstag, 21. September 2010
Warum schneidest du die Palme?
Die obige Frage hat meinen Mitvolontär Tony und mich längere Zeit beschäftigt. Wir arbeiten schon seit längerer Zeit immer wieder an einem Weg am See, der zu einem Gebetsplatz führt, der im Oktober irgendwann neu eröffnet werden soll. An diesem Weg ist in den letzten Jahren, in denen sich offensichtlich niemand sonderlich für ihn interessiert hat, allerlei stachliges Gestrüpp gewachsen, Müll liegt herum und alles wächst kreuz und quer. Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Weg wieder schön herzurichten, damit die Pilger sich an dem tollen Anblick erfreuen können, wenn sie zu dem neuen Gebetsplatz laufen. Diese Arbeit scheint ewig zu dauern, an manchen Tagen sieht man einfach keinen Fortschritt, trotzdem gehen wir jeden Tag wieder aufs Neue an den Weg und schneiden Gestrüpp.
Jetzt kommt eines Tages eine Frau von einer Pilgergruppe auf uns zu und fragt Tony: Why are you cutting the palm? Zunächst erklärt er ihr, was ich oben geschrieben habe. Der Weg soll besser aussehen, blabla... Danach stellten wir beide erst einmal fest, dass uns beiden spontan die Antwort: "Because our boss told us to" eingefallen wäre. Als wir weiter über die Frage nachdachten, fiel uns auf, dass es eigtl. eine sehr gute Frage war, die man nicht so einfach beantworten kann. Warum sind zwei junge Leute aus verschiedenen Ländern in Israel und schneiden dort Palmen? Wenn man das ein bisschen weiterführt, kommt man irgendwann auch zu Fragen, wie: Warum mache ich dieses Volontärsjahr eigentlich? Was erhoffe ich mir davon? Und dann ist man auch schnell bei Fragen, wie: Was will ich mit meinem Leben anstellen? Was ist mir wichtig? Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? usw...
Diese Situation hat mir vor Augen geführt, dass mein Jahr hier in Israel eine gute Möglichkeit ist, über solche Fragen nachzudenken. Man hat den Kopf frei, weil man nicht für irgendwelche Prüfungen lernen muss und irgendwie hat man auch viele andere Dinge in Deutschland zurückgelassen, die einen dort vielleicht mehr beschäftigen würden. Für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar.
Und jetzt noch was anderes. Uns ist in den letzten Tagen ein Hund zu gelaufen, den wir Bruno getauft haben. Da wir ihn nicht behalten können - zwei Hunde sind genug - hat Paul jemanden, der so wilde Hunde aufsammelt angerufen. Und wie sich herausstellte war dieser Mensch sowohl für wilde Hunde, als auch für alte Glasflaschen zuständig. Komische Mischung, finde ich.
Das war's für heute,
viele Grüße,
Johannes
PS: Weniger als zwei Wochen bis zum Hosen-Konzert, oh yeah!
Jetzt kommt eines Tages eine Frau von einer Pilgergruppe auf uns zu und fragt Tony: Why are you cutting the palm? Zunächst erklärt er ihr, was ich oben geschrieben habe. Der Weg soll besser aussehen, blabla... Danach stellten wir beide erst einmal fest, dass uns beiden spontan die Antwort: "Because our boss told us to" eingefallen wäre. Als wir weiter über die Frage nachdachten, fiel uns auf, dass es eigtl. eine sehr gute Frage war, die man nicht so einfach beantworten kann. Warum sind zwei junge Leute aus verschiedenen Ländern in Israel und schneiden dort Palmen? Wenn man das ein bisschen weiterführt, kommt man irgendwann auch zu Fragen, wie: Warum mache ich dieses Volontärsjahr eigentlich? Was erhoffe ich mir davon? Und dann ist man auch schnell bei Fragen, wie: Was will ich mit meinem Leben anstellen? Was ist mir wichtig? Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? usw...
Diese Situation hat mir vor Augen geführt, dass mein Jahr hier in Israel eine gute Möglichkeit ist, über solche Fragen nachzudenken. Man hat den Kopf frei, weil man nicht für irgendwelche Prüfungen lernen muss und irgendwie hat man auch viele andere Dinge in Deutschland zurückgelassen, die einen dort vielleicht mehr beschäftigen würden. Für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar.
| Diese Palme haben wir z.B. geschnitten |
| Bruno mit den leeren Bierflaschen |
viele Grüße,
Johannes
PS: Weniger als zwei Wochen bis zum Hosen-Konzert, oh yeah!
Montag, 13. September 2010
Gruppenfoto
Ich habe gerade so ein schönes Gruppenfoto von allen Volontären in Tabgha gefunden und mir gedacht , dass stell ich doch gleich mal auf meinen Blog.
Achja, die wichtigsten Leute sind bei so Gruppenbildern meistens in der Mitte.
Übrigens: Wer sich lieber Bilder anschaut, als immer so lange Texte zu lesen, dem sei die Seite http://katharina-israel.jimdo.com/ empfohlen. Die Katharina lädt immer fleißig Bilder von unseren Auslügen uns so hoch.
| Von links nach recht und von hinten nach vorne: Chef Paul, Brian, Madleine, Tony, meine Wenigkeit, Hannes, Matze, Katharina, Annika, Christopher |
Übrigens: Wer sich lieber Bilder anschaut, als immer so lange Texte zu lesen, dem sei die Seite http://katharina-israel.jimdo.com/ empfohlen. Die Katharina lädt immer fleißig Bilder von unseren Auslügen uns so hoch.
Donnerstag, 9. September 2010
Der erste Monat ist vorbei
So, endlich schreib ich mal wieder was in meinen Blog. Heute ist mein einmonatiges Jubiläum hier. 1/12 der Zeit ist also schon um. Ich glaube da werde ich mir zur Feier des Tages ein Gläschen Arak genehmigen. (Das ist ein Anisschnaps, der im Nahen Osten oft getrunken wird. Auf arabisch bedeutet Arak „Schweiß“, hmm lecker!)
Der erste Monat ist wirklich schnell vergangen, aber ich könnt mir vorstellen, dass sich das wieder normalisiert und die nächsten Monate vielleicht ein bisschen langsamer rumgehen. Wär auch ganz cool, weil sonst wär ich ja direkt wieder in Deutschland.
Letztes Wochenende hatte ich mal wieder ein freies Wochenende, was auch ganz gut war, da die Woche davor echt stressig war. Am Freitagabend haben wir in Tabgha alle zusammen gegrillt, auch mit Paul, unserm Chef, und der hat uns (Katharina, Christopher und mich, alle die frei hatten) dann netterweise noch nach Haifa gefahren, weil der da eh in der Nähe wohnt. Nach einigem Suchen, wobei uns die Tatsache, dass Paul Hebräisch spricht, sehr geholfen hat, haben wir unsere Jugendherberge dann auch gefunden. Da es schon recht spät war, haben wir dann erstmal ne Runde gepennt. Den nächsten Vormittag haben wir dann komplett am Strand verbracht (Haifa liegt direkt am Mittelmeer und hat einen echt schöne Strand). Da haben wir uns noch mit ein paar anderen Volontären aus Kfar Tikva, einer sozialen Einrichtung, wo Behinderte betreut werden, getroffen. Unter anderem war da auch Jojo Sutter aus meiner ehemaligen Stufe dabei. Das war ziemlich cool, mal wieder jemanden aus der Schule zu treffen und er hatte auch noch sein Abishirt an, welches ich leider in Deutschland gelassen habe.
Am Nachmittag sind wir noch durch Haifa gelatscht, ist echt ne schöne Stadt, das liegt wohl vor Allem am Meer. Und da gibt’s die berühmten Bahaigärten, das ist irgendsone komische Religion, und die haben da voll den tighten Garten.
Auf dem Rückweg mit dem Bus haben wir unsere Haltestelle verpasst. Die nächste Haltestelle war der Berg der Seligpreisung, wo Jesus - der Überlieferung nach - die Bergpredigt gehalten hat. Da haben wir uns gedacht, wo wir schonmal da sind, können wir uns das auch ein bisschen anschauen. Der Berg ist echt wunderschön und da hat es trotz der Hitze richtig Spaß gemacht, zu Fuß nach Tabgha runterzulaufen, das am Fuß des Berges liegt.
Und dann war ein sehr erholsames Wochenende auch schon wieder vorbei.
Am Montag hatten wir endlich das erste Mal Hebräisch-Unterricht. Nach den 90 Minuten waren alle erstmal total geplättet, weil die Lehrerin uns durchgehend mit neuen Wörtern bombadiert hat, die wir natürlich alle mitschreiben mussten. Dass der Unterricht auf Englisch ist und weder unsere Lehrerin noch wir perfekt Englisch können, macht die Sache auch nicht leichter, aber doch interessanter. Vielleicht hilft mir der Unterricht gleichzeitig, mein Englisch zu verbessern. Da es aber schon ziemlich lang her ist, dass ich mal irgendwas gelernt habe, fällt es mir im Moment schwer, mich zu motivieren, den Stoff zu wiederholen. Aber es ist natürlich auch cool, wenn man Hebräisch kann, also werde ich wohl mal demnächst was machen. (Bis Zehn zählen kann ich schon!)
Tschüss,
Jojo
Der erste Monat ist wirklich schnell vergangen, aber ich könnt mir vorstellen, dass sich das wieder normalisiert und die nächsten Monate vielleicht ein bisschen langsamer rumgehen. Wär auch ganz cool, weil sonst wär ich ja direkt wieder in Deutschland.
Letztes Wochenende hatte ich mal wieder ein freies Wochenende, was auch ganz gut war, da die Woche davor echt stressig war. Am Freitagabend haben wir in Tabgha alle zusammen gegrillt, auch mit Paul, unserm Chef, und der hat uns (Katharina, Christopher und mich, alle die frei hatten) dann netterweise noch nach Haifa gefahren, weil der da eh in der Nähe wohnt. Nach einigem Suchen, wobei uns die Tatsache, dass Paul Hebräisch spricht, sehr geholfen hat, haben wir unsere Jugendherberge dann auch gefunden. Da es schon recht spät war, haben wir dann erstmal ne Runde gepennt. Den nächsten Vormittag haben wir dann komplett am Strand verbracht (Haifa liegt direkt am Mittelmeer und hat einen echt schöne Strand). Da haben wir uns noch mit ein paar anderen Volontären aus Kfar Tikva, einer sozialen Einrichtung, wo Behinderte betreut werden, getroffen. Unter anderem war da auch Jojo Sutter aus meiner ehemaligen Stufe dabei. Das war ziemlich cool, mal wieder jemanden aus der Schule zu treffen und er hatte auch noch sein Abishirt an, welches ich leider in Deutschland gelassen habe.
Am Nachmittag sind wir noch durch Haifa gelatscht, ist echt ne schöne Stadt, das liegt wohl vor Allem am Meer. Und da gibt’s die berühmten Bahaigärten, das ist irgendsone komische Religion, und die haben da voll den tighten Garten.
| Blick auf's Meer |
| Die Parkhäuser haben hier in Israel lustige Namen |
Auf dem Rückweg mit dem Bus haben wir unsere Haltestelle verpasst. Die nächste Haltestelle war der Berg der Seligpreisung, wo Jesus - der Überlieferung nach - die Bergpredigt gehalten hat. Da haben wir uns gedacht, wo wir schonmal da sind, können wir uns das auch ein bisschen anschauen. Der Berg ist echt wunderschön und da hat es trotz der Hitze richtig Spaß gemacht, zu Fuß nach Tabgha runterzulaufen, das am Fuß des Berges liegt.
| Da sind wir schon fast wieder in Tabgha |
Und dann war ein sehr erholsames Wochenende auch schon wieder vorbei.
Am Montag hatten wir endlich das erste Mal Hebräisch-Unterricht. Nach den 90 Minuten waren alle erstmal total geplättet, weil die Lehrerin uns durchgehend mit neuen Wörtern bombadiert hat, die wir natürlich alle mitschreiben mussten. Dass der Unterricht auf Englisch ist und weder unsere Lehrerin noch wir perfekt Englisch können, macht die Sache auch nicht leichter, aber doch interessanter. Vielleicht hilft mir der Unterricht gleichzeitig, mein Englisch zu verbessern. Da es aber schon ziemlich lang her ist, dass ich mal irgendwas gelernt habe, fällt es mir im Moment schwer, mich zu motivieren, den Stoff zu wiederholen. Aber es ist natürlich auch cool, wenn man Hebräisch kann, also werde ich wohl mal demnächst was machen. (Bis Zehn zählen kann ich schon!)
Tschüss,
Jojo
Sonntag, 29. August 2010
In Tabgha ist ordentlich was los
Heute geht für mich eine sehr stressige, aber auch schöne Woche zu Ende, bzw. nach Israelischen Regeln geht die neue Woche jetzt schon los, aber egal.
Es ist hier so, dass immer, wenn eine neue Gruppe oder Familie zu uns nach Tabgha auf die Begegnungsstätte kommt, ein „Kontaktzivi“ bestimmt wird, der dann der Ansprechpartner dieser Gruppe ist und bei allen Problemen und Fragen angerufen werden kann. Zum ersten Mal seit ich hier bin, kam am Donnerstag eine richtig große Gruppe (39 Leute) auf die Begegnungsstätte. Die Gruppe kommt aus Jerusalem aus dem Hospice St. Vincent de Paul und besteht aus körperlich und geistig Behinderten und deren Betreuern, die aus allen Teilen der Welt kommen (teilweise auch Volontäre). Und für diese Gruppe wurde ich als Kontaktzivi auserkoren. Irgendwie wirkten die Betreuer ein wenig überfordert mit ihrer großen Gruppe, so dass schon bei der Ankunft Chaos herrschte.
Mein Handy klingelte dann am ersten Tag auch schätzungsweise 5000 mal und ich konnte nicht mal in Ruhe essen. Meistens musste ich denen nur kurz was zeigen oder neue Bettwäsche bringen. Der Höhepunkt war dann aber, als mich die Leiterin der Gruppe, die übrigens aus Kanada kommt, anrief und mir sagte, dass irgendwie drei Behinderte verloren gegangen sind und wir jetzt bitte eine große Suchaktion starten sollten. Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde wurden dann alle auf irgendwelchen Feldern oder Plantagen in der Umgebung gefunden und zum Glück wohlbehalten zurückgebracht. Das hat mich schon ein wenig schockiert.
In Israel wird von staatlicher Seite nur sehr wenig für die Betreuung von Behinderten getan. Deshalb müssen die Einrichtungen für Behinderte mit sehr wenig Geld auskommen. Für geschultes Personal ist nicht genug Geld übrig und deshalb sind die Einrichtungen auch auf Volontäre angewiesen. Diese sind dann natürlich nicht so professionell und erfahren und so kann es schonmal passieren, dass alles ein bisschen chaotisch und behelfsmäßig ist. Das ist aber natürlich besser, als wenn gar nichts läuft, da es Behinderte vor allem in der arabischen Kultur nicht leicht haben. Sie sind in ihren Familien oft hilflos Gewalt ausgeliefert, da die Behinderung als Teufelswerk angesehen wird oder sowas.
Die Leute, die in solchen Einrichtungen für wenig oder gar kein Geld arbeiten, haben meinen größten Respekt, da man wirklich rund um die Uhr beschäftigt ist und die Arbeit auch sehr belastend ist. Im Vergleich zu den Volontären, die in solchen Einrichtungen arbeiten, ist meine Arbeit echt gechillt. Aber so gechillt ist sie dann auch wieder nicht.
Da ich auch dieses Wochenende nicht frei hatte (das nächste zum Glück wieder), musste ich auch dann in Bereitschaft bleiben und die Arbeit mit den Gruppen ist ja nicht die einzige. Zwischendurch schneid ich immer noch an ein paar Bäumen rum, flick ein paar Gartenschläuche oder düs mit dem Traktor durch die Gegend.
Alles in allem ist meine Arbeit sehr vielfältig und macht echt Spaß. Aber Freizeit muss auch sein. :) Diese habe ich in den letzten Tagen genutzt, um ein wundervolles Buch namens „Bonbon aus Wurst“ des Ausnahme-Autors Helge Schneider zu lesen. Es ist wirklich ein herausragendes Stück deutscher Literaturgeschichte und ich kann die Lektüre jedem wärmstens empfehlen.
Viele Grüße,
Johannes
Sonntag, 22. August 2010
Generationenwechsel
So langsam übernimmt die neue Generation von Volontären die Verantwortung hier in Tabgha. Mein Vorgänger (der wie ich vom Erzbistum Freiburg entsandt wurde) ist am Freitag wieder nach Deutschland geflogen, nachdem wir am Abend vorher noch gemütlich am Pool den Abschied gefeiert haben.
Jetzt sind nur noch zwei Volontäre der alten Generation da, die sich aber auch in den nächsten Wochen Richtung Heimat aufmachen werden. Es ist ein komisches Gefühl, sich von den alten Volontären zu verabschieden. Dabei ist mir erst klar geworden, dass ich noch ein ganzes Jahr vor mir hab. Einerseits eine sehr lange Zeit, aber vermutlich werde ich am Ende des Jahres denken: „Was, schon vorbei?“. Ich bin mal gespannt, wie ich mich in diesem Jahr verändern werde, welche Menschen ich kennen lernen werde und was für Erfahrungen ich machen werde.
Im Moment haben wir hier auf der Begegnungsstätte nur europäische Gruppen und Familien, da in Israel keine Ferien-Saison ist und arabische Gruppen kommen sowieso während dem Ramadan nicht. Deshalb kommt es im Moment zu keinem Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen. So ein Pech, jetzt wurde ich beim Ausreiseseminat von Leonel so gut darauf vorbereitet, dass mir alles ein bisschen deutlich wurde. Aber das kommt ja noch demnächst.
Trotzdem ist viel los auf der Begegnugsstätte; wir hatten in den letzten Tagen viel mit der Vorbereitung der Häuser und Zelte für neue Gäste zu tun. Dadurch habe ich viel Übung im Putzen bekommen, da wird sich meine Mama sicher freuen. :)
Die meisten Leute, die im Moment hier sind, sind Familien oder Gruppen von jungen Leuten, die hier Urlaub machen und Entspannung suchen, was man hier wirklich gut kann. Die Begegnungsstätte liegt wunderschön direkt am See und außerdem ist dank der fleißigen Volontäre immer alles tiptop gepflegt. Wenn man sich auch in der Freizeit (haben wir ab 16:00 Uhr, das klingt vielleicht früh, aber durch die Hitze ist der Arbeitstag trotzdem sehr anstrengend!) auf der Begegnungsstätte aufhält, kommt man schnell in Kontakt mit den Gästen. Vor allem, weil auch alle Deutsch können. :) In meinem Jahr hier in Tabgha werde ich wohl viele neue Leute kennen lernen.
Auch die Mönche, die hier im Kloster leben, setzen sich übrigens gerne mal mit einem Bierchen abends zu den Volontären und unterhalten sich nett. Alle zusammen sind wir eben - wie Pater Ralph in seiner Ansprache an unserm ersten Tag gesagt hat – die „Tabgha Family“.
Behinderten-Gruppen haben wir hier im Moment auch nicht, da diese eben meistens aus Israel oder dem Westjordanland kommen. Den Umgang mit Behinderten konnten wir trotzdem schon einmal üben, da sich Matze am Fuß verletzt hat und dann leider mit dem Rollstuhl durch die Gegend gefahren werden musste:
In den letzten Tagen haben wir auch viele organisatorische Dinge geklärt, ich hab z.B. jedes zweite Wochenende ein freies Wochenende, an denen ich mir gaaanz viele Orte in Israel anschauen will. Tabgha ist zwar schön, aber man will ja auch mal was anderes sehen und hier gibt es so viele interessante Sachen direkt vor der Nase. Am 3. Oktober kommen die Toten Hosen nach Tel Aviv, ich hoffe das klappt. :)
Viele Grüße,
lasst von euch hören,
Johannes
Jetzt sind nur noch zwei Volontäre der alten Generation da, die sich aber auch in den nächsten Wochen Richtung Heimat aufmachen werden. Es ist ein komisches Gefühl, sich von den alten Volontären zu verabschieden. Dabei ist mir erst klar geworden, dass ich noch ein ganzes Jahr vor mir hab. Einerseits eine sehr lange Zeit, aber vermutlich werde ich am Ende des Jahres denken: „Was, schon vorbei?“. Ich bin mal gespannt, wie ich mich in diesem Jahr verändern werde, welche Menschen ich kennen lernen werde und was für Erfahrungen ich machen werde.
Im Moment haben wir hier auf der Begegnungsstätte nur europäische Gruppen und Familien, da in Israel keine Ferien-Saison ist und arabische Gruppen kommen sowieso während dem Ramadan nicht. Deshalb kommt es im Moment zu keinem Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen. So ein Pech, jetzt wurde ich beim Ausreiseseminat von Leonel so gut darauf vorbereitet, dass mir alles ein bisschen deutlich wurde. Aber das kommt ja noch demnächst.
Trotzdem ist viel los auf der Begegnugsstätte; wir hatten in den letzten Tagen viel mit der Vorbereitung der Häuser und Zelte für neue Gäste zu tun. Dadurch habe ich viel Übung im Putzen bekommen, da wird sich meine Mama sicher freuen. :)
Die meisten Leute, die im Moment hier sind, sind Familien oder Gruppen von jungen Leuten, die hier Urlaub machen und Entspannung suchen, was man hier wirklich gut kann. Die Begegnungsstätte liegt wunderschön direkt am See und außerdem ist dank der fleißigen Volontäre immer alles tiptop gepflegt. Wenn man sich auch in der Freizeit (haben wir ab 16:00 Uhr, das klingt vielleicht früh, aber durch die Hitze ist der Arbeitstag trotzdem sehr anstrengend!) auf der Begegnungsstätte aufhält, kommt man schnell in Kontakt mit den Gästen. Vor allem, weil auch alle Deutsch können. :) In meinem Jahr hier in Tabgha werde ich wohl viele neue Leute kennen lernen.
Auch die Mönche, die hier im Kloster leben, setzen sich übrigens gerne mal mit einem Bierchen abends zu den Volontären und unterhalten sich nett. Alle zusammen sind wir eben - wie Pater Ralph in seiner Ansprache an unserm ersten Tag gesagt hat – die „Tabgha Family“.
Behinderten-Gruppen haben wir hier im Moment auch nicht, da diese eben meistens aus Israel oder dem Westjordanland kommen. Den Umgang mit Behinderten konnten wir trotzdem schon einmal üben, da sich Matze am Fuß verletzt hat und dann leider mit dem Rollstuhl durch die Gegend gefahren werden musste:
In den letzten Tagen haben wir auch viele organisatorische Dinge geklärt, ich hab z.B. jedes zweite Wochenende ein freies Wochenende, an denen ich mir gaaanz viele Orte in Israel anschauen will. Tabgha ist zwar schön, aber man will ja auch mal was anderes sehen und hier gibt es so viele interessante Sachen direkt vor der Nase. Am 3. Oktober kommen die Toten Hosen nach Tel Aviv, ich hoffe das klappt. :)
Viele Grüße,
lasst von euch hören,
Johannes
Montag, 16. August 2010
Reise nach Jerusalem (Haha)
Dieses Wochenende haben alle neuen Volontäre in Tabgha und die zwei noch verbleibenden Volos der alten Generation einen Ausflug nach Jerusalem gemacht. Da Tabgha sehr „deutsch“ ist und auch generell nicht viel abgeht, habe ich zum ersten Mal einen Einblick in die israelische und arabische Kultur mit ihren vielen verschiedenen Facetten bekommen.
Da nicht genug Platz im Auto war, bin ich zusammen mit einem der alten Volontäre mit dem Bus gefahren. Busfahren ist in Israel sehr günstig. Ich bin für 10 € nach Jerusalem gekommen und das ist immerhin eine dreistündige Fahrt. Dafür muss man sich damit abfinden, dass Israelische Busfahrer anscheinend nicht gerade Anhänger eines gleichmäßigen, vorsichtigen und ruhigen Fahrstils sind. Wir sind trotzdem heil angekommen.
In Jerusalem sind wir dann erstmal durch die Neustadt (der westlich orientierte, moderne Teil der Stadt) zu unserer Unterkunft gelaufen. Da sah alles noch so aus, wie ich es aus Europa gewohnt bin. Die gleichen Läden, die es überall gibt, westlich gekleidete Menschen, und gemütliche Straßencafés und Bars. Der „Kulturschock“ kam dann erst später – als wir am nächsten Tag durch die Altstadt liefen, um uns erstmal dich wichtigsten Sachen, anzuschauen.
Ich muss echt sagen, dass ich ziemlich überwältigt von den verschiedenen Eindrücken bin. Einen Ort, an dem so viele verschiedene Kulturen und Religionen auf engstem Raum aufeinander treffen, gibt es auf der Welt wohl kein zweites Mal. Orthodoxe Juden mit langen Bärten und schwarzen Hüten, westlich gekleidete Menschen, verschleierte muslimische Frauen, junge Araber mit weißen Turnschuhen und glitzernden G-Star-T-Shirts, Ordensschwestern und -Brüder, jede Menge Soldaten und süße Babykätzchen:
| Ein süßes Babykätzchen |
Das alles verschwimmt zu einem lauten Durcheinander und kann anfangs ganz schön verwirrend sein.
Besonders interessant war das muslimische Viertel nach Sonnenuntergang, weil im Moment Ramadan ist und die Muslime dann immer abends Party machen, weil sie sich endlich den Bauch vollschlagen können. Es gibt dann bunte Beleuchtung auf den Straßen, Feuerwerk und man kann leckere Falafel (so frittierte Gemüsebällchen, die so wie Döner, nur halt mir Falafel statt Fleisch, serviert werden) essen. Der billigste Falafel der Stadt kostet 6 Schekel (1,20 €) und ist trotzdem ziemlich lecker.
Und zu den ganzen verschiedenen Menschen, die man sieht, kommen natürlich noch die beeindruckenden Sehenswürdigkeiten (Klagemauer, Grabeskirche, Felsendom, letzteren hab ich aber nur von Weitem gesehen, da wird man nicht hin gelassen) hinzu.
| Coole Volontäre auf dem Ölberg und im Hintergrund viele alte Steine |
Besonders interessant fand ich die Grabeskirche. Die verschiedene christlichen Konfessionen (von denen gibt’s übrigens erheblich mehr, als man in Deutschland vermuten würde) erheben Anspruch auf den Besitz der Kirche. Deshalb ist die Kirche aufgeteilt und es reihen sich völlig unterschiedlich aussehende Teile aneinander. Trotzdem können sich die Konfessionen nie einigen, wem was gehört und wer für was zuständig ist. Das führt dann oft zu absurden Streitigkeiten. Vor der Kirche gibt es z.B. eine Treppe und einen Vorplatz. Die eine Konfession ist für das Putzen der Treppe, die nächste für das Putzen des Vorplatzes zuständig. Jetzt ist es aber so, dass die untere Stufe der Treppe ziemlich tief ist und deswegen auch zum Platz gezählt werden könnte. Ja, und dann gibt es erbitterte Streits darüber, wer denn jetzt die untere Stufe sauber machen darf. Solche Streitigkeiten führen auch mal zu Handgreiflichkeiten unter Ordensleuten, wie folgendes Youtube-Video beweist:
Eigentlich ein Armutszeugnis, aber irgendwie auch lustig.
Auch ansonsten ist Jerusalem natürlich eine Stadt voll von Konflikten:
| Da hinten sieht man die Mauer, die Israel vom Westjordanland trennt |
Erstmal soviel, ich muss die ganzen Eindrücke noch verarbeiten, mal ein bisschen was über die Stadt lesen und dann möglichst bald nochmal hinfahren.
Viele Grüße,
Johannes
Donnerstag, 12. August 2010
Ankunft
So, ich bin jetzt schon seit drei Tagen in Israel, bin aber jetzt erst auf die Idee gekommen, ein Blog zu schreiben. Deswegen erstmal noch nachträglich was zu meiner Ankunft:
Der Flug nach Tel Aviv war recht angenehm und die Schikanen des Sicherheitspersonals am Flughafen hielten sich zumindest für israelische Verhältnisse in Grenzen. Angekommen bin ich mit meiner FSJ-Kollegin Katharina um 3 Uhr morgens und wir wurden praktischerweise direkt von unserer Chefin Nicole abgeholt. Zwei Stunden später kamen wir dann in Tabgha , dem kleinen Ort, in dem wir das nächste Jahr wohnen und arbeiten werden, an.
Von einem Ort zu sprechen ist eigentlich schon zu viel. Hier gibt es ein Kloster mit so ca. fünf Mönchen und die sogenannte Begegnungsstätte, wo Gruppen – teils mirt körperlich oder geistig behinderten Menschen – aus verschiedenen Kulturen (Israelis, Araber, Deutsche) Urlaub machen. Diese Begegnungsstätte wird von Freiwilligen geleitet und in Schuss gehalten (Einzige Ausnahme ist unser neuer Chef Paul, der für seine Arbeit bezahlt wird, wie unfair!). Durch die Gruppen auf der Begegnungsstätte und die vielen Pilger, die kommen, um sich die Klosterkirche anzuschauen (Die ist ziemlich berühmt, weil man sagt, dass hier die Brotvermehrung stattfand), ist hier trotz den wenigen dauerhaften Bewohnern in Tabgha immer viel los. Insgesamt sind wir hier 8 Freiwillige, von denen die meisten (wie ich) in der Begegnungsstätte arbeiten und auch noch ein paar in einem Souvenirladen für die Pilger.
So, erstmal genug über die Einrichtung. Als wir irgendwann morgens ankamen, war ich natürlich einerseits total gespannt auf die anderen Leute hier (mit denen muss ich's immerhin ein Jahr lang aushalten), aber andererseits auch total müde, deswegen hab ich erstmal bis zum Mittagessen gepennt.
Beim Mittagessen hab ich dann alle meine Kollegen kennen gelernt, besonders interessant war das Kennenlernen meiner WG-Mitbewohner. Auf den ersten Blick scheinen alle ganz nett zu sein, mal schauen, ob sich das auch im Nachhinein bewahrheitet. :)
Auch mit dem Arbeiten habe ich seit gestern angefangen. Es gibt hier verschiedene Aufgabenbereiche, die dann jeweils von einem Freiwilligen übernommen werden und wie es im Moment aussieht, werde ich wohl den Garten übernehmen. Soviel Erfahrungen mit Pflanzen habe ich zwar noch nicht (ich hatte mal in der 10. Klasse zwei Topfpflanzen in meinem Zimmer, die dann aber vertrocknet sind, weil ich sie nicht gegossen habe), aber ich bin ja hier, um neue Dinge zu lernen. Zur Arbeit muss ich noch sagen, dass es hier einfach saumäßig heiß ist (über 40°), man transpiriert also ordentlich. Zum Glück haben wir hier einen Pool, in den man zur Abkühlung springen kann:
In den nächsten Tagen werde ich mal versuchen, ein paar mehr Bilder zu machen, damit man auch mal sehen kann, wie es hier so aussieht. Es sieht ziemlich dufte aus, soviel kann ich schonmal verraten. Am Wochenende machen wir einen Ausflug nach Jerusalem, da werd ich bestimmt wieder was zu erzählen haben. Solltet ihr irgendwelche Fragen haben oder mir sonst irgendetwas erzählen wollen (Gute Witze oder so), meldet euch per Email, facebook oder sonst irgendwas.
Viele Grüße,
Johannes
Der Flug nach Tel Aviv war recht angenehm und die Schikanen des Sicherheitspersonals am Flughafen hielten sich zumindest für israelische Verhältnisse in Grenzen. Angekommen bin ich mit meiner FSJ-Kollegin Katharina um 3 Uhr morgens und wir wurden praktischerweise direkt von unserer Chefin Nicole abgeholt. Zwei Stunden später kamen wir dann in Tabgha , dem kleinen Ort, in dem wir das nächste Jahr wohnen und arbeiten werden, an.
Von einem Ort zu sprechen ist eigentlich schon zu viel. Hier gibt es ein Kloster mit so ca. fünf Mönchen und die sogenannte Begegnungsstätte, wo Gruppen – teils mirt körperlich oder geistig behinderten Menschen – aus verschiedenen Kulturen (Israelis, Araber, Deutsche) Urlaub machen. Diese Begegnungsstätte wird von Freiwilligen geleitet und in Schuss gehalten (Einzige Ausnahme ist unser neuer Chef Paul, der für seine Arbeit bezahlt wird, wie unfair!). Durch die Gruppen auf der Begegnungsstätte und die vielen Pilger, die kommen, um sich die Klosterkirche anzuschauen (Die ist ziemlich berühmt, weil man sagt, dass hier die Brotvermehrung stattfand), ist hier trotz den wenigen dauerhaften Bewohnern in Tabgha immer viel los. Insgesamt sind wir hier 8 Freiwillige, von denen die meisten (wie ich) in der Begegnungsstätte arbeiten und auch noch ein paar in einem Souvenirladen für die Pilger.
So, erstmal genug über die Einrichtung. Als wir irgendwann morgens ankamen, war ich natürlich einerseits total gespannt auf die anderen Leute hier (mit denen muss ich's immerhin ein Jahr lang aushalten), aber andererseits auch total müde, deswegen hab ich erstmal bis zum Mittagessen gepennt.
Beim Mittagessen hab ich dann alle meine Kollegen kennen gelernt, besonders interessant war das Kennenlernen meiner WG-Mitbewohner. Auf den ersten Blick scheinen alle ganz nett zu sein, mal schauen, ob sich das auch im Nachhinein bewahrheitet. :)
Auch mit dem Arbeiten habe ich seit gestern angefangen. Es gibt hier verschiedene Aufgabenbereiche, die dann jeweils von einem Freiwilligen übernommen werden und wie es im Moment aussieht, werde ich wohl den Garten übernehmen. Soviel Erfahrungen mit Pflanzen habe ich zwar noch nicht (ich hatte mal in der 10. Klasse zwei Topfpflanzen in meinem Zimmer, die dann aber vertrocknet sind, weil ich sie nicht gegossen habe), aber ich bin ja hier, um neue Dinge zu lernen. Zur Arbeit muss ich noch sagen, dass es hier einfach saumäßig heiß ist (über 40°), man transpiriert also ordentlich. Zum Glück haben wir hier einen Pool, in den man zur Abkühlung springen kann:
In den nächsten Tagen werde ich mal versuchen, ein paar mehr Bilder zu machen, damit man auch mal sehen kann, wie es hier so aussieht. Es sieht ziemlich dufte aus, soviel kann ich schonmal verraten. Am Wochenende machen wir einen Ausflug nach Jerusalem, da werd ich bestimmt wieder was zu erzählen haben. Solltet ihr irgendwelche Fragen haben oder mir sonst irgendetwas erzählen wollen (Gute Witze oder so), meldet euch per Email, facebook oder sonst irgendwas.
Viele Grüße,
Johannes
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