Montag, 16. August 2010

Reise nach Jerusalem (Haha)

Dieses Wochenende haben alle neuen Volontäre in Tabgha und die zwei noch verbleibenden Volos der alten Generation einen Ausflug nach Jerusalem gemacht. Da Tabgha sehr „deutsch“ ist und auch generell nicht viel abgeht, habe ich zum ersten Mal einen Einblick in die israelische und arabische Kultur mit ihren vielen verschiedenen Facetten bekommen.
Da nicht genug Platz im Auto war, bin ich zusammen mit einem der alten Volontäre mit dem Bus gefahren. Busfahren ist in Israel sehr günstig. Ich bin für 10 € nach Jerusalem gekommen und das ist immerhin eine dreistündige Fahrt. Dafür muss man sich damit abfinden, dass Israelische Busfahrer anscheinend nicht gerade Anhänger eines gleichmäßigen, vorsichtigen und ruhigen Fahrstils sind. Wir sind trotzdem heil angekommen.
In Jerusalem sind wir dann erstmal durch die Neustadt (der westlich orientierte, moderne Teil der Stadt) zu unserer Unterkunft gelaufen. Da sah alles noch so aus, wie ich es aus Europa gewohnt bin. Die gleichen Läden, die es überall gibt, westlich gekleidete Menschen, und gemütliche Straßencafés und Bars. Der „Kulturschock“ kam dann erst später – als wir am nächsten Tag durch die Altstadt liefen, um uns erstmal dich wichtigsten Sachen, anzuschauen.
Ich muss echt sagen, dass ich ziemlich überwältigt von den verschiedenen Eindrücken bin. Einen Ort, an dem so viele verschiedene Kulturen und Religionen auf engstem Raum aufeinander treffen, gibt es auf der Welt wohl kein zweites Mal. Orthodoxe Juden mit langen Bärten und schwarzen Hüten, westlich gekleidete Menschen, verschleierte muslimische Frauen, junge Araber mit weißen Turnschuhen und glitzernden G-Star-T-Shirts, Ordensschwestern und -Brüder, jede Menge Soldaten und süße Babykätzchen:


Ein süßes Babykätzchen

Das alles verschwimmt zu einem lauten Durcheinander und kann anfangs ganz schön verwirrend sein.
Besonders interessant war das muslimische Viertel nach Sonnenuntergang, weil im Moment Ramadan ist und die Muslime dann immer abends Party machen, weil sie sich endlich den Bauch vollschlagen können. Es gibt dann bunte Beleuchtung auf den Straßen, Feuerwerk und man kann leckere Falafel (so frittierte Gemüsebällchen, die so wie Döner, nur halt mir Falafel statt Fleisch, serviert werden) essen. Der billigste Falafel der Stadt kostet 6 Schekel (1,20 €) und ist trotzdem ziemlich lecker.
Und zu den ganzen verschiedenen Menschen, die man sieht, kommen natürlich noch die beeindruckenden Sehenswürdigkeiten (Klagemauer, Grabeskirche, Felsendom, letzteren hab ich aber nur von Weitem gesehen, da wird man nicht hin gelassen) hinzu. 


Coole Volontäre auf dem Ölberg und im Hintergrund viele alte Steine


Besonders interessant fand ich die Grabeskirche. Die verschiedene christlichen Konfessionen (von denen gibt’s übrigens erheblich mehr, als man in Deutschland vermuten würde) erheben Anspruch auf den Besitz der Kirche. Deshalb ist die Kirche aufgeteilt und es reihen sich völlig unterschiedlich aussehende Teile aneinander. Trotzdem können sich die Konfessionen nie einigen, wem was gehört und wer für was zuständig ist. Das führt dann oft zu absurden Streitigkeiten. Vor der Kirche gibt es z.B. eine Treppe und einen Vorplatz. Die eine Konfession ist für das Putzen der Treppe, die nächste für das Putzen des Vorplatzes zuständig. Jetzt ist es aber so, dass die untere Stufe der Treppe ziemlich tief ist und deswegen auch zum Platz gezählt werden könnte. Ja, und dann gibt es erbitterte Streits darüber, wer denn jetzt die untere Stufe sauber machen darf. Solche Streitigkeiten führen auch mal zu Handgreiflichkeiten unter Ordensleuten, wie folgendes Youtube-Video beweist:

Eigentlich ein Armutszeugnis, aber irgendwie auch lustig.
Auch ansonsten ist Jerusalem natürlich eine Stadt voll von Konflikten:
Da hinten sieht man die Mauer, die Israel vom Westjordanland trennt


Erstmal soviel, ich muss die ganzen Eindrücke noch verarbeiten, mal ein bisschen was über die Stadt lesen und dann möglichst bald nochmal hinfahren.

Viele Grüße,
Johannes

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