Dienstag, 21. September 2010

Warum schneidest du die Palme?

Die obige Frage hat meinen Mitvolontär Tony und mich längere Zeit beschäftigt. Wir arbeiten schon seit längerer Zeit immer wieder an einem Weg am See, der zu einem Gebetsplatz führt, der im Oktober irgendwann neu eröffnet werden soll. An diesem Weg ist in den letzten Jahren, in denen sich offensichtlich niemand sonderlich für ihn interessiert hat, allerlei stachliges Gestrüpp gewachsen, Müll liegt herum und alles wächst kreuz und quer. Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Weg wieder schön herzurichten, damit die Pilger sich an dem tollen Anblick erfreuen können, wenn sie zu dem neuen Gebetsplatz laufen. Diese Arbeit scheint ewig zu dauern, an manchen Tagen sieht man einfach keinen Fortschritt, trotzdem gehen wir jeden Tag wieder aufs Neue an den Weg und schneiden Gestrüpp.

Jetzt kommt eines Tages eine Frau von einer Pilgergruppe auf uns zu und fragt Tony: Why are you cutting the palm? Zunächst erklärt er ihr, was ich oben geschrieben habe. Der Weg soll besser aussehen, blabla... Danach stellten wir beide erst einmal fest, dass uns beiden spontan die Antwort: "Because our boss told us to" eingefallen wäre. Als wir weiter über die Frage nachdachten, fiel uns auf, dass es eigtl. eine sehr gute Frage war, die man nicht so einfach beantworten kann. Warum sind zwei junge Leute aus verschiedenen Ländern in Israel und schneiden dort Palmen? Wenn man das ein bisschen weiterführt, kommt man irgendwann auch zu Fragen, wie: Warum mache ich dieses Volontärsjahr eigentlich? Was erhoffe ich mir davon? Und dann ist man auch schnell bei Fragen, wie: Was will ich mit meinem Leben anstellen? Was ist mir wichtig? Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? usw...

Diese Situation hat mir vor Augen geführt, dass mein Jahr hier in Israel eine gute Möglichkeit ist, über solche Fragen nachzudenken. Man hat den Kopf frei, weil man nicht für irgendwelche Prüfungen lernen muss und irgendwie hat man auch viele andere Dinge in Deutschland zurückgelassen, die einen dort vielleicht mehr beschäftigen würden. Für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar.


Diese Palme haben wir z.B. geschnitten
Und jetzt noch was anderes. Uns ist in den letzten Tagen ein Hund zu gelaufen, den wir Bruno getauft haben. Da wir ihn nicht behalten können - zwei Hunde sind genug - hat Paul jemanden, der so wilde Hunde aufsammelt angerufen. Und wie sich herausstellte war dieser Mensch sowohl für wilde Hunde, als auch für alte Glasflaschen zuständig. Komische Mischung, finde ich.

Bruno mit den leeren Bierflaschen
Das war's für heute,
viele Grüße,
Johannes

PS: Weniger als zwei Wochen bis zum Hosen-Konzert, oh yeah!

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