Mittwoch, 6. Oktober 2010

Eintrag Nr. 8

In letzter Zeit hatte ich leider nicht so viel Zeit, was zu schreiben, aber jetzt kommt endlich mal wieder was neues. Da freut ihr euch, was?

Vorletztes Wochenende war ich zum ersten mal in der Westbank (oder Weschdbänk im badischen Dialekt), was sehr interessant war. Wir waren abends in Jerusalem weg, um dann abends noch in die Westbank nach Beit Jala (neben Bethlehem) zu fahren, wo wir in der WG von anderen Volontären übernachtet haben. Unser Taxifahrer war ein Araber, der uns erstmal gefragt hat wo wir herkommen. Als wir gesagt haben, aus Deuschland, kam natürlich erstmal die Standardantwort: "Ahhh, Germany, like Hitler!" Als dann betretenes Schweigen herrschte, sagte unser Taxifahrer, um die Stimmung ein wenig zu lockern: "That's no problem. I'm muslim, no jew. Hitler is my friend." Eine entspannte Atmosphäre wollte sich trotzdem seltsamerweise nicht einstellen.

Als wir dann nachts mit dem Taxi über den Checkpoint gefahren sind, war das schon ein komisches Gefühl. Man kann fast nichts sehen, dann leuchten einem Soldaten mit Taschenlampen ins Gesicht und dann fährt man durch die mit Stacheldraht gesicherte Mauer. Dann war's schon recht spät und wir sind pennen gegangen.

Am nächsten Tag haben wir uns dann Bethlehem angeschaut. Da war es sehr praktisch, dass eine Ex-Volontärin, die sehr gut arabisch konnte, mitgekommen ist. Viele Palästinenser können anscheinend kein Englisch und auf jeden Fall sind sie immer gleich viel freundlicher, wenn jemand in der Gruppe ist, der Arabisch kann. Und sie konnte uns zu einer sehr guten Shisha-Bar führen, wo ich die beste Shisha meines Lebens (bis jetzt) geraucht hab.

Später sind wir dann noch ein bisschen an der Mauer vorbeigelaufen, die Israel von der Westbank trennt. Das hat mir dabei geholfen, ein bisschen mehr auf den Konflikt und die Ungerechtigkeiten, die in diesem Land herrschen, aufmerksam zu werden. In Tabgha ist man nämlich so behütet und isoliert, dass man davon nicht soviel mitkriegt. Nach einer Weile sind wir in die Nähe von einem Checkpoint gekommen, von wo uns schon von weitem ein Soldat zurief, dass keine Fußgänger durchgelassen werden und wir umdrehen sollen.

Auf dem Rückweg von Beit Jala nach Jerusalem hatten wir einen coolen Taxifahrer. Mit dem sind wir über einen Checkpoint gefahren, der eigentlich für Ausländer gesperrt ist. Aber der Taxifahrer kannte die Soldaten da und die haben uns deshalb einfach durchgewunken.

Das Wochenende danach, also letztes Wochenende war ich am Sonntag aufm Hosen-Konzert und das war einfach nur geil. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Nur dass ich am Tag danach arbeiten musste, war nicht so gut. Ich war so müde, dass ich mit dem Traktor gegen einen Baum gefahren bin. Aber keine Sorge, ich bin sehr langsam gefahren und nichts ist passiert.

Morgen abend werden wir Volontäre eine Disko-Party für die Gruppen organisieren, die gerade auf der Begegnungsstätte sind. Dabei handelt es sich um zwei Behinderten-Gruppen, eine jüdische aus Israel und eine muslimische aus der Westbank. Die beiden Gruppen kennen sich schon seit längerem und deswegen denke ich nicht, dass es Probleme geben wird. Ich hoffe meine Musikauswahl kommt gut an und alle gehen zum Ding-Dong-Song und zu den Atzen ab. Den morgigen Tag werden wir damit verbringen, 1000 Ballons aufzublasen, um damit den Party-Raum zu befüllen. Ich hoffe ich werde dabei nicht ohnmächtig.

Viele Grüße,
Jojo