Anfang Februar haben wir sieben Tabgha-Volontäre eine Woche Urlaub gekriegt und sind nach Jordanien gefahren. Das war eine sehr schöne und erlebnisreiche Woche. Nach dem sehr langen Monat Januar, den ich fast komplett in Tabgha verbracht habe, war das eine gute Abwechslung. Jordanien ist ein sehr beeindruckendes Land. Es scheint so etwas wie das arabische Vorzeigeland zu sein. Der Bildungsstandard ist recht hoch, das merkt man zum Beispiel daran, dass fast alle Leute ein gutes Englisch sprechen. Und außerdem kann man auch ohne Probleme von Israel einreisen. Das ist sehr gut für den Tourismus, weil viele Israel-Reisende auch noch ohne Probleme noch ein paar Tage in Jordanien verbringen können. Selbstverständlich ist das allerdings nicht. In den Libanon oder nach Syrien kann ich zum Beispiel mit meinem israelischen Stempel im Pass nicht einreisen. Auch ansonsten ist Jordanien sehr offen gegenüber der westlichen Welt. In Amman, der Hauptstadt, gibt es zum Beispiel viele Bars, an denen Alkohol ausgeschenkt wird, obwohl fast alle Jordanier Muslime sind.
Die meiste Zeit unserer Reise haben wir in Amman verbracht, einer Stadt, die mir sehr gut gefallen hat. Es gibt viele Ruinen aus der Römer-Zeit zu sehen.
| Alte Steine in Amman |
Aber vor Allem die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen war beeindruckend. Dass Taxifahrer einem das Mittagessen spendieren, würde man in Deutschland oder auch Israel wahrscheinlich nicht erleben.
Neben Amman ist Petra die große Touristen-Attraktion Jordaniens.
| Petra - Der dritte Indiana Jones-Film wurde hier gedreht |
Auch wenn der Eintrittspreis von 50 Euro für einen Tag erstmal ein wenig übertrieben scheint, finde ich doch, dass er sich gelohnt hat. Was die Nabatäer da vor über 2000 Jahren aus den Felsen gehauen haben, davor kann man nur den Hut ziehen. Der Nachteil an Petra ist allerdings, dass es sehr touristisch ist. Wir waren nicht in der Hauptsaison da, und trotzdem liefen sehr viele Touristen-Gruppen herum. Und außerdem wollte einem an jeder Ecke ein Beduine irgendetwas verkaufen oder einen Ritt auf einem Esel, Pferd oder Kamel anbieten. Das wurde mit der Zeit dann doch etwas anstrengend.
Nach Petra sind wir dann wieder zurück nach Amman gefahren und von da aus haben Tony, Brian und ich noch einen sehr abenteuerlichen Ausflug zur irakischen Grenze gemacht. Irgenwie sind wir in dem super-edlen Büro eines Generals des jordanischen Geheimdienstes gelandet, wo wir Tee und Kaffee serviert bekamen und der uns dann eine Tour über den Grenzübergang gegeben hat. Und der Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist der am besten kontrollierte Grenzübergang, den ich je gesehen habe. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Öl, das vom Irak geliefert wird, wird von den irakischen Trucks in jordanische Trucks umgefüllt und dabei gefiltert, damit keine Bomben drin versteckt sein können. Und der jordanische General hat es sehr deutlich gemacht, dass das auch notwendig ist, da der Irak nicht gerade das politisch stabilste Land ist. Trotzdem versuchen die jordanischen Soldaten, ein möglichst gutes Verhältnis zu ihren irakischen Kollegen zu behalten und so kam es auch, dass wir Bilder mit irakischen Soldaten vor der irakischen Flagge am Grenzübergang machen konnten. Das ist schon ziemlich cool, oder?
Die Bilder davon hab ich leider noch nicht, werde sie wahrscheinlich aber demnächst nachreichen.
Sorry übrigens, dass meine Blogeinträge in letzter Zeit so lange auf sich warten lassen. Aber es ist sehr schwer, etwas produktives zu machen, wenn die besten Freunde am selben Platz wohnen, wie man selbst. Deshalb ist die Versuchung natürlich groß, nach der Arbeit noch zusammen ein Bierchen zu trinken oder sonst was zu machen. Aber das heißt auch, dass ich hier in Tabgha einige wirklich tolle Leute kennen gelernt habe und es mir hier richtig gut geht.
Ach, und noch was: Letztens war plötzlich auf einmal Halbzeit. Die ersten sechs Monate sind rum und ich bin gespannt auf die nächsten sechs. Und natürlich auch auf das, was danach kommt. Wir werden sehen. :)
Viele liebe Grüße,
Jojo
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